Superwomen wird kalt gestellt

31 Jahre. In Worten einunddreißig – in Zahlen 31. Das ist mehr als die Hälfte meines Lebens!

Zurückgerechnet 1987 – da bin ich aus der Schule raus! Das ist Zeitgeschichte, in der Berlin 750 Jahre feierte, 1989 Honecker tritt zurück, 1993, die Europäische Union wird Realität, 1996 – das erste geklonte Schaf, 1998 – Lewinski bandelt mit dem Chef der USA an, Millennium 2000, wo wir glaubten die Rechner explodieren, weil sie die Zeitumstellung nicht schaffen. 2006 Partystimmung wegen Fußball – das Sommermärchen, 2009 – erster schwarzer US Präsident, 2010 Love Parade Tragödie, 2014… wir sind wieder Weltmeister!

Während der ganzen Zeit gab es so etwas wie eine Kultur Konstante – und die ist (noch) in der Dechanatstraße 3 28195 Bremen, sozusagen am vorderen Tor des Schnoor.

Ich hab` sie kennengelernt, die Besitzerin Elin-Astrid Becker. Eine Frau, der man glaubt, was sie sagt, der man ihre Passion für ihren Job, ihr Geschäft und ihre Kunden abnimmt. Ein Business, dass sich wohltuend abhebt vom massentauglichen H&M Wrap für super xxxs- so einfühlsam schneidert für die Vollfrauen, so geduldig Maß auch für Größen jenseits der 48.

31 Jahre Kundenservice, der die Stammkäuferinnen zu einem Kaffee und Plausch in die Räume führt. 31 Jahre Weg Verkürzung für Damen, die in der Innenstadt wohnen und sich aufgehoben fühlen wollen. 31 Jahre akribisches Wählen von Kollektionen und Accessoires, individuellem Abstimmen auf den Typen.

Und damit soll jetzt Schluss sein.

Warum? Brechen wir es mal feist in einen Satz: Weil eine humanitäre Organisation es sich in den Kopf gesetzt hat, Ihr Immobilien- Erbe lieber für Büros zu nutzen, anstatt sich humanitär für Menschen, Bremen, Individualität und Attraktion am Eingang des historischen Schnoorviertels zu entscheiden.

Ich meine mal so: Elin-Astrid würde das Geschäft keine 40 Jahre mehr führen – bleiben wir so brachial ehrlich. Aber die neuen Eigentümer haben aktuell nix besseres zu tun, als ein Traditions-Unternehmen zum Ende 2018 aus den Räumen zu drängen- selbst Angebote einer freiwilligen Miet-Mehrzahlung und/ oder weiteren Zugeständnissen zu akzeptieren?

 

Ich bin keine Bremerin – ich fange gerade erst an, eine zu werden. Trotzdem denke ich jetzt schon, die Stadt ist was Besonderes! Gerade wegen der exklusiven Einzelhändler, Nischen-Boutiquen und dem kulturellen Angebot!

Kann ich „Superwomen“ helfen? Nicht alleine – sicher! Warum ich das überhaupt will? Tja, es liegt wohl daran, dass ich wieder zurück will zu dem, was Menschen brauchen: andere Menschen statt noch mehr Verwaltung – andere Menschen, die ihnen bei der Anprobe Tipps geben, sich nicht über Größentabellen online Gedanken machen müssen – andere Menschen an der Kasse als den WIREDCARD Bezahlservice, der im Hintergrund noch  mehr persönliche Daten abgreift, als die Mähmaschine Mais häckselt.

Gibt es irgendjemanden im und um den Schnoor, der eine adäquate Ladenfläche hat? Oder jemand, der den neuen Besitzern mal die Ohren langzieht? Oder….

 

Ute Bescht | 07 September 2018

https://utebescht.de

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